Ekkes Frank
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Doch. Das gibt es.

Komik, Klatsch und Kleinigkeiten
Nummer
10
   2016
Das hätte ich selbst nicht gedacht: die neue Form von Der Transdemokrat ermöglicht schon jetzt eine weitere Ausgabe, inspiriert durch einen Bericht in der SZ.
Und weil ich gerade dabei bin auch noch eine weitere Neuerung: ein etwas längerer Text zu einem allgemeinen Thema. Geplanter Arbeitstitel für diese Serie: ÜBRIGENS...
23.09.

Die Süddeutsche Zeitung ist eine der angesehensten Zeitungen Deutschlands. Auch ich bin ein über Jahrzehnte hinweg treu gebliebener Leser dieses Blattes.
Zumal es mir auch immer wieder Themen, Meldungen und Berichte geliefert hat, die wunderbare Anregungen schon früher und bis heute für meine aufopferungsvolle
Arbeit auf dem dornigen Feld der Satire und Ironie bot.

Heute aber darf ich einmal berichten über eine Satire, die die SZ selbst in ihrer Ausgabe vom Mittwoch, 21. September 2016 veröffentlicht hat. Dazu noch auf der
ersten Seite und da auch noch als Aufmacher. Überschrift
Hackerangriff auf deutsche Parteien

Und die ersten Zeilen des Artikels lassen uns alle schon erschrecken:
Berlin - Deutsche Parteien sind im Som-
mer abermals zum Ziel eines breit angeleg-
ten Hackerangriffs geworden. Sicherheits-
experten der Bundesregierung nehmen den
Vorfall sehr ernst und befürchten, dass eine
ausländische Macht Geheimnisse aus dem
Berliner Politikbetrieb ausspähe, um die
Bundestagswahl im kommenden Jahr zu
beeinflussen.
Der Herr steh uns bei!! Das waren natürlich die Amerikaner! Jeder erinnert sich noch an die NSA-Affäre.
Falls nicht, hier ein Zitat aus Wikipedia:

Laut der von 
Marcel Lazăr Lehel unter dem Pseudonym Guccifer veröffentlichten E-Mails des Journalisten
Sidney Blumenthal, der auch als Berater von US-Präsident Bill Clinton und der US-Außenministerin
Hillary Clinton tätig war, überwachten die USA wiederholt Gespräche von Angela Merkel mit Finanzminister
Wolfgang Schäuble und von Merkel und Schäuble mit Gerhard Schindler und Generalmajor Norbert Stier,
Präsident und Vizepräsident des 
Bundesnachrichtendienstes.

Die schrecken doch vor nichts zurück! Obwohl Angela Merkel mit aller ihr zur Verfügung stehenden
Schärfe zugeflüstert hat: Unter Freunden tut man das nicht.
Weiter die SZ:
Der Bundestag war bereits 2015 Ziel eines
Cyberangriffs....
Experten vermuten, dass die Urheber des
damaligen Angriffs aus Russland stammen.
Auch der neue Fall deutet nach Ansicht von
Regierungsexperten auf russische Hacker
hin.


Äh... äh... Das... das versteh ich jetzt irgendwie nicht. Wieso... äh, aber, aber...?
Da komme ich jetzt doch irgendwie ins Zweifeln. Da muss ich ja umdenken. Das sind ja völlig neue
Fakten!

Gibt es da vielleicht noch mehr... ähm, ich meine mehr dingsda...?

Oh ja, die gibt es, weiter die SZ:
Das BSI (i.e.das Bundesamt für Sicherheit
in
der Informationstechnik) befürchtet nun, dass
die Täter die öffentliche Meinung vor der Bundes-
tagswahl im Herbst 2017 manipulieren wollen.
Sie könnten...
Danke, Süddeutsche Zeitung! Tausend Dank! Jetzt sehe ich doch klar! Da brauche ich eigentlich den
Kommentar auf Seite 4 gar nicht mehr, welcher ausführt:

Besonders Russland gerät in letzter Zeit immer wieder unter Verdacht... Noch ist nicht bewiesen, dass
russische Agenten oder Hacker.... Plausibel aber ist...
Nebelwerfer
 
Und dann auch noch Bildbeweise! Hier links sieht man - leicht verschwommen - einen Hacker mit einem
Putinportrait auf dem T-Shirt!

Angesichts dieser ganzen erdrückenden Vermutungen, Verdachtsmomente, Befürchtungen und
unwiderlegbaren Hindeutungen gibt es keinen Zweifel mehr, dass es wieder einmal die Russen sind,
die "den Westen mit dessen eigenen Peinlichkeiten" (ebenfalls Zitat aus dem Kommentar) blamieren
wollen. um die Bundestagswahlen zu beeinflussen. Und zwar so, dass dann die bundesdeutschen
Altstalinisten an die Macht kommen, das ist ja völlig klar. Deshalb muss ja, ob sie will oder nicht, die
NATO mit großartigen Manövern unmittelbar an der sowjeti... sorry: russischen Grenze den Typen dort
zeigen, was ihnen blüht, wenn sie nicht aufhören. Die Hacker natürlich, meine ich.


Danke nochmal, Süddeutsche Zeitung, tausend Dank!!

Angst im
September







































ÜBRIGENS...

Ist Der Transdemokrat irgendwo angekommen? Die Grundidee des Begriffs war die These: die Demokratie - in ganz verschiedenen Versionen ganz verschiedener
Staaten - befindet sich in mehr oder weniger starker Auflösung, teilweise in einem Zerfall, und diese Entwicklung geht ständig weiter. Als Beispiel die Bundesrepublik Deutschland, Stichworte: die Verlagerung der Entscheidungen von Parlament und Bundesrat hin zur Regierung, einhergehend mit der Selbstentmachtung dieser Organe und Mutation zu Abnickversammlungen; die Regierung ihrerseits begibt sich immer mehr in die Hand von Wirtschaft, Finanzen, Konzernen (ein Beispiel: die Verhinderung einer von Brüssel geplanten Verschärfung der Abgasregelung für PKW durch Angela Merkel ; gefolgt von einer BMW-Spende an die CDU in Höhe von 690 000 €); eine fortschreitende Annäherung der Parteien und ihrer Programme hin zu einer "Mitte" (d.h. zu einer Entpolitisierung dieser Parteien); eine (nicht nur von mir) schon damals vermutete Zunahme radikaler Gruppierungen und Parteien - die gerade absolvierten Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin mit den Erfolgen der AfD bestätigen diese Vermutung. Ähnliche Entwicklungen sind zu beobachten in fast allen anderen Demokratien. Die italienische Zeitung La Repubblica brachte am 24. Mai 2016 eine ganze Seite mit Bericht und Grafik unter der Überschrift "Europa in einer Identitätskrise - zu befürchten ist eine Epidemie". Dargestellt in einer Grafik wurde die Verbreitung von Populisten und Ultrarechten in 11 europäischen Ländern, im Durchschnitt waren es 23,3 %, an der Spitze Ungarn (44 %), Polen (37,5 % und Österreich (35 %). In den USA - in dem gerade ein Donald Trump Präsident werden könnte - ist die Entwicklung zu einer Staatsform, in der die Reichen (egal von welcher Partei) die Wahlen quasi unter sich ausmachen, schon fest etabliert.

Daraus habe ich meine These abgeleitet, dass sich die Demokratie in einer Wandlung, einer starken Veränderung, einer Mutation befindet, (noch) nicht unbedingt in einem "Untergang" (des Abendlandes; Oswald Spengler), sondern in einem "Übergang" hin zu einer anderen Form, eben in einem "Trans". Meine Rolle sah - und sehe - ich dabei in einer kritischen Begleitung dieser Entwicklung in der Form von Satire, Ironie, Veräppelung von Fehlentwicklungen (meiner Auffassung nach), in Diskussions-
beiträgen also

Meine heutige Sicht: es gibt weiterhin dieses "Trans", mit einer immer klareren und deutlicheren Entfernung von den ursprünglichen Vorstellungen und Formen von Demokratie; eine neue Form, Staaten und Gesellschaften zu organisieren, zu der diese Trans hinführen könnte, ist nicht in Sicht. Das Rätselraten darüber, was sich gerade abspielt und vor allem auch warum, nimmt zu, man muss nur die Themen der zahllosen Talkshows in allen möglichen Fernsehanstalten anschauen. In denen dann nicht viel Substantielles und vor allem eigentlich immer das Gleiche von allen Teilnehmer/innen gesagt, gedacht, gelabert oder gebrüllt wird.

Der Transdemokrat ist da auch nicht viel weiter. Es bleibt bei meinen Versuchen, grobe oder leichtgewichtigere Erscheinungen, Aussagen oder Verhaltensweisen mt Satire, Ironie und Spott zu kommentieren. Was dabei die Satire darf (Stimmen dazu von Juvenal über Tucholsky bis hin zu Böhmermann) will ich in einem weiteren "Übrigens" überlegen.

Manchmal - denke ich - genügt auch ein Zitat...
 
Noch einmal die SZ, Ausgabe vom 21.9.2016, S. 18, Wirtschaftsteil:

Winfried Kretschmann, 68, Ministerpräsident in Baden-Württemberg, glaubt an die hohe Moral bei Bosch, trotz der Verwicklungen des Konzerns in den Abgas-
skandal.
Er habe "volles Vertrauen" bei der Aufklärung der Vorwürfe und bei künftigen Vorsorgemaßnahmen (...) Erst kürzlich habe er mit Bosch-Chef Volkmar Denner
gesprochen... (Er machte) sich auch für die umstrittenen Dieselmotoren stark (...) etwa 50 000 Arbeitsplätze hingen daran: "da geht es schon um sehr viel". (...) Der
Regierungschef und die Manager des Konzerns gehen mittlerweile äußerst respektvoll miteinander um ...

Respekt, Respekt, Herr Kretschmann! Das ist doch wunderschön! Und so grün!
Es grünt
so grün




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Auf Weiterlesen  mit der Ausgabe
11-2016!